Interview mit Dr. Loges vom Landestheater Coburg

Dr. Bernhard F. Loges ist seit dieser Spielzeit neuer Intendant am Landestheater Coburg. Der 36-Jährige war vorher an der Deutschen Oper am Rhein in Duisburg und Düsseldorf tätig. Wir sprachen mit ihm über den Wechsel nach Coburg und seine Pläne mit dem Landestheater.

Frage: Herr Loges, Sie wechseln vom Rhein an die Itz, von der Großstadt in die Provinz. Wie gefällt es Ihnen bisher in Coburg? Und: Wie kommen Sie klar mit den Coburgern?

Mir gefällt es sehr gut in Coburg. Ich komme gut mit den Coburgern klar, mag die direkte Art, mag wie sie nachfragen und wie man ins Gespräch kommt, gerade nach Premieren oder nachdem der Spielplan herauskommt und darüber eine direkte Auseinandersetzung mit dem Theater stattfindet.
Von der Großstadt in die Provinz: Ich tue mich immer etwas schwer damit, wenn Coburger selber sagen „Wir sind in der Provinz“, weil ich finde, dass ‚Provinz‘ eine innere Einstellung ist und nicht regional bedingt ist. Insofern würde ich sagen, ich bin hier nicht zwingend in einer Provinz angekommen. Es ist eine kleine Stadt, es ist eine wunderbare Gegend. Ich wohne sehr gerne etwas außerhalb auf dem Land, mag es, dass man innerhalb von einer Viertelstunde an wunderschönen Orten sein kann sowohl in der Stadt, zu Fuß auf dem Weg zur Veste, im Hofgarten, bei der Ehrenburg oder auch am Marktplatz, sodass man die Stadt in diesem wunderbaren Ambiente genießen kann, aber man ist eben auch schnell in der Natur.

Wie sind Ihre Pläne mit dem Landestheater, was wird sich verändern?

Es wird eine kontinuierliche Weiterentwicklung geben. Ich möchte dort anknüpfen wo Bodo Busse aufgehört hat als er nach Saarbrücken gewechselt ist und die vier Direktoren in der Spielzeit dazwischen weitergemacht haben. Wir werden hier weiterhin einen lebendigen Ensemblegeist pflegen, werden in den nächsten Jahren aber auch versuchen, die Sparten mehr miteinander zu verquicken, denn das ist gerade die Stärke, die ein Mehrspartenhaus hat, dass Tänzer, Schauspieler, Sänger, Orchester, Chor gemeinsam Dinge entwickeln können.

Vor welchen Herausforderungen steht das Landestheater derzeit?

Auf der einen Seite wissen wir, dass es eine Generalsanierung geben wird und die Pläne dafür gemacht werden müssen und auch weiter auf dem Weg sind. Auf der anderen Seite steht damit auch ein Umzug bevor und die wunderbare Möglichkeit in das Globe zu ziehen, das noch gebaut werden muss. Das ist die nächste Herausforderung und daraus erschließt sich natürlich für uns kurzfristig innerhalb der nächsten zwei, drei Jahre, dass wir noch im Landestheater bleiben werden, das zwar ein wunderschönes Haus ist, aber auch große bauliche Mängel hat, auch in der Bühnentechnik, mit denen wir umgehen müssen und situationsbedingt reagieren müssen.

In Ihrer früheren Tätigkeit waren Sie Musiktheaterdramaturg an der Deutschen Oper am Rhein. Dürfen wir daraus schließen, dass auch bei uns in Coburg das Musiktheater eine größere Rolle spielen wird? Was ist da geplant?

Ich würde nicht sagen eine größere Rolle, zumal mein Vorgänger Bodo Busse ja ebenfalls aus dem Bereich kam. Das Musiktheater ist nach wie vor eine der drei Sparten, aber es ist durchaus so, dass wir große Projekte planen. Wir haben ein Orchester, das in der Lage ist große Werke aufzuführen, Werke, die sehr komplex sind. Das haben wir bei Wagners „Parsifal“ vor zwei Jahren gemerkt, der eine große Resonanz hatte, auch überregional, und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass wir uns in dieser Richtung mit Orchester, Chor und Musiktheaterensemble weiter entwickeln werden.

Coburg und Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen und Oberfranken – das sind auch kulinarisch zwei Welten. Wie sind da bisher Ihre Erfahrungen?

Ich muss sagen, ich habe für die fränkische Küche tatsächlich mehr übrig als für die rheinische Küche. Das mag erstaunlich sein, aber es liegt mir mehr. Und was ich in Coburg grundsätzlich toll finde, ist, dass man sehr viele kulinarische Möglichkeiten hat. Jenseits wirklich guter zünftiger, oberfränkischer Küche hat man auch die Möglichkeit sehr gut italienisch, griechisch, indisch oder asiatisch zu essen. Es gibt einfach eine unheimliche Vielfalt und so erlebe ich Coburg auch, als sehr vielfältig.

Wenn wir uns privat in einer Kneipe kennenlernen würden – was würden Sie mir von sich erzählen?

Das kommt darauf an wie viel Wein wir getrunken haben … lacht …

Herr Loges, herzlichen Dank für das Gespräch!

 

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